mashART – Alamannen von Rhî-Ems, Kulturverein


 
   
Stand: 30.03.2010

News und Informationen


>>> Konzeptkunst bei der Varusschlacht 2009

Die Mitglieder des Hohenemser Vereins "mashART - Alamannen von Rhî-Ems, Kulturverein" mit Konzeptkünstler Martin Stock (mashART) überzeugten bei den Römer- und Germanentagen 2009 in Kalkriese (D) mit dessen experimentellen Inszenierung eines germanischen Bündnis-Ritus mit proto-germanischen Sprachfragmenten.



Bramsche-Kalkriese: Vor 2000 Jahren war es blutiger Ernst, der sogar den Verlauf der Geschichte beeinflusst haben soll... und zwischen 11. und 14. Juni 2009 hat nunmehr ein nachgestelltes Schlachtgetümmel zwischen Römern und Germanen regelrechte Besucheranstürme ausgelöst. Ungefähr 26.000 Geschichtsinteressierte zogen an diesem Wochenende durch das Museum und Park Kalkriese bei Osnabrück, um sich auf dem vermuteten Originalschauplatz der Schlacht vom Teutoburger Wald im Jahr 9 nach Christus auf eine Zeitreise in die Antike entführen zu lassen.

Zu sehen gab es aber neben der Schlacht auch sehr viel römisches und germanisches Alltagsleben, Handwerk, militärischen Drill und sogar Kunst – aus Vorarlberg! So wurde der Hohenemser Konzeptkünstler Martin Stock (mashART) vom Organisationsteam des Museums mit der schon im Vorfeld viel Aufmerksamkeit erregenden Aufgabe bedacht, im Lager der Germanen gemeinsam mit dem Hohenemser Verein "mashART – Alamannen von Rhî-Ems, Kulturverein" und in Zusammenarbeit mit den Germanengruppen Hermunduren und "Projekt Sueben" eine für sein neues Bühnenwerk der Themenreihe "Alamanni" entstandene Ritus-Szene zu inszenieren.

Eine experimentell-konzeptionelle Darstellung, keine Rekonstruktion
Zwar bediente sich der Konzeptkünstler für seine – fast schon in wissenschaftlichem Kontext erstellte – akribisch recherchierte Szene vieler relevanter historischer und archäologischer Quellen. Dennoch stand ihm bei seiner experimentellen Inszenierung bewusst nicht eine historische Rekonstruktion denkbarer Handlungen im Vordergrund, denn vielmehr die Wirkungsweisen einer Konfrontation des modernen Menschen mit der nahezu untergegangenen Kultur der Germanen. "Wir wissen genau: So wie wir diesen 'Ritus' darstellen... war es definitiv nicht", betont der Künstler. "Doch versuchen wir, bei den Zuschauern ein vages Gefühl für die Besonderheiten dieser für uns kaum noch nachvollziehbare germanische Kultur jenseits bekannter Klischeebilder aufkommen zu lassen."

Historische Schlachtnachstellung unter Freunden
Im Anschluss an die konzeptionelle Ritus-Darstellung wurde, nur wenige hundert Meter vom Ritus-Platz entfernt, auf dem Gelände des Park Kalkriese die mehrtägige Schlacht zwischen den drei römischen Legionen des Statthalters Publicus Quintilius Varus und der germanischen Stämme-Allianz vom jungen Arminius dem Cherusker in einer 75-minütigen Sequenz nachgespielt. Kommentiert wurde von Marcus Junkelmann, einem der bekanntesten Fachleute der römischen Militärgeschichte. Und standen diesmal "nur" rund 400 Darsteller aus acht europäischen Ländern auf beiden Seiten, dürften sich damals gut und gerne 40.000 Römer, Auxiliare und Germanenkrieger gegenüber gestanden haben. Die Verluste der Germanen lassen sich kaum beziffern, bei den Römern hingegen gingen letztlich drei Legionen, drei Alen (Reitereinheiten), mehrere Hilfstruppen und Tross komplett unter.

Berühmt geworden ist die Schlacht vor allem durch den Ausspruch des damaligen Kaiser Augustus: "Quintilius Varus, gib die Legionen zurück!". Die Schmach der Niederlage gegen die germanischen Barbaren muss für Rom damals tatsächlich so groß gewesen sein, dass sie letztlich für den weiteren Verlauf der Geschichte ausschlaggebend gewesen sein könnte. Bei der Jubiläumsveranstaltung jedoch... da zogen unmittelbar nach der Schlachtdarstellung Germanen und Römer mit herzlichem Handschlag, ob der gelungenen Aufführung Schulter klopfend aneinander vorbei. Es mutete an wie eine versöhnende Geste früherer Feinde....

Arbeiten am Stück noch lange nicht abgeschlossen

Martin Stock, der bereits seit 2005 an seinem neuen für Museen konzipierten Bühnenwerk mit Arbeitstitel "Caracallas Vermächtnis" arbeitet: "Es war mir wichtig, die Bündnis-Sequenz im Rahmen dieser wohl einmaligen, international renommierten Museumsveranstaltung als logischen Programmpunkt im Vorfeld der Schlachtdarstellung vor gleichsam unbedarftem Publikum wie auch Experten, also Historikern und Archäologen, zu inszenieren. Es galt letztlich festzustellen, ob die Szene auch in der Inszenierung 'funktioniert'. Denn sie ist nicht zuletzt eines der Kernstücke meines aktuellen Werkes, welches alle uns heute bekannten Ereignisse – die zur Ethnogenese der Alamannen beigetragen haben – aus Sicht eines gedachten Zeitzeugen beleuchten soll."

Wie aufwändig die Produktion des Stückes von Stock zu sein scheint, veranschaulicht die weiteren Planung des Künstlers aus Hohenems: "In Zusammenarbeit mit dem 'Projekt Sueben' (Germanendarsteller, rekrutiert aus vielen unterschiedlichen Gruppen die das Leben der Alamannen in verschiedenen Jahrhunderten teils museumspädagogisch aufarbeiten), versuche ich im kommenden Jahr einige Sequenzen des täglichen Lebens am Limes auf Seiten der Römer wie auch der Germanen zu inszenieren und mit Filmaufnahmen zu dokumentieren. Außerdem wurde ich vom Göttinger Archäologen und Germanenforscher Robert Brosch – er hat den Ablauf der Schlacht auf Grund der zahlreichen archäologischer Funde für die Varus-Veranstaltung 2009 rekonstruiert – eingeladen, bei den von ihm nachfolgend geplanten Projekten konzeptionell mitzuarbeiten."


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